Warum führende Institute auf Unterverwahrung setzen

Elise Devaux

Marketing Manager, Tangany

Nicht jedes Institut kann jeden Markt aus eigener Kraft abdecken, deshalb greifen viele auf einen Unterverwahrer (Sub-Custodian) zurück, also einen lokalen Spezialisten, der Vermögenswerte in ihrem Auftrag verwahrt. Im traditionellen Finanzwesen verschafft dieses Modell Zugang zu Fachwissen und Risikokontrollen, deren Aufbau im eigenen Haus Jahre dauern würde.

Bei digitalen Vermögenswerten funktioniert das ähnlich: Im Modell der Unterverwahrung (Sub-Custody) lagert ein lizenziertes Institut Infrastruktur und Prozesse rund um die Verwahrung digitaler Vermögenswerte an einen vertrauenswürdigen, regulierten Anbieter aus, etwa den Schutz der privaten Schlüssel, die Sicherheitsinfrastruktur und die Blockchain-Anbindung.

Typische Nutzer sind Banken, Broker oder Fonds, die bereits über die Zulassung für den Kryptomarkt verfügen, die dafür nötige technische Infrastruktur und Expertise aber nicht sofort selbst aufbauen wollen.

Ob es darum geht, die Nachfrage der Kunden nach neuen Anlageprodukten schnell zu bedienen oder grenzüberschreitende Abwicklung über neue Infrastrukturen mit begrenztem Risiko zu ermöglichen: Unterverwahrung kann ein einfacherer und schnellerer Weg sein, Verwahrdienstleistungen für digitale Vermögenswerte anzubieten.

Was die Verwahrung digitaler Vermögenswerte heute so anspruchsvoll macht

Die Verwahrung digitaler Vermögenswerte stellt operative Anforderungen, für die es in der klassischen Verwahrung keine direkte Entsprechung gibt. Zum einen braucht sie ein spezialisiertes Sicherheitsmodell zum Schutz der privaten Schlüssel, also der kryptografischen Zugangsdaten, die den Zugriff auf die verwahrten Bestände kontrollieren und sich bei Verlust nicht wiederherstellen lassen.

Zum anderen sind Transaktionen nach ihrer Bestätigung unumkehrbar. Dadurch wiegt jeder operative Fehler schwerer, und Überwachung sowie Reaktion auf Sicherheitsvorfälle müssen rund um die Uhr gewährleistet sein.

Hinzu kommt, dass die Blockchain-Anbindung für jeden unterstützten Vermögenswert und jede Chain einzeln aufgebaut und gepflegt werden muss. Zudem sind die Pflichten aus dem europäischen Rechtsrahmen für digitale Vermögenswerte, der MiCA (Markets in Crypto-Assets Regulation), so neu, dass es in der Branche bislang kaum Erfahrungswerte gibt.

Deshalb entscheiden sich lizenzierte Institute stattdessen für die Zusammenarbeit mit einem Unterverwahrer, eine Form der Auslagerung, die MiCA ausdrücklich vorsieht.

So funktioniert die Zusammenarbeit mit einem Unterverwahrer in der Praxis

Artikel 73 MiCA erlaubt zugelassenen Anbietern, operative Funktionen wie die Verwahrung an Dritte auszulagern, sofern sie für ihre Pflichten voll verantwortlich bleiben und sich an der Beziehung zum Endkunden nichts ändert.

In der Praxis beruht das Modell auf zwei getrennten Vereinbarungen: einer mit den Endkunden und einer zweiten mit dem Unterverwahrer. Die direkte Kundenschnittstelle, das Transaktionsreporting und das regulatorische Reporting bleiben in eigener Hand. Der Unterverwahrer übernimmt die Verwahrung der privaten Schlüssel samt Sicherheitsinfrastruktur (Cold, Warm oder Hot Wallet), die Blockchain-Anbindung für jeden unterstützten Vermögenswert und jede Chain, das operative Risiko im Tagesgeschäft sowie angrenzende Aufgaben wie die Transaktionsbuchhaltung.

Die regulatorische Verantwortung gegenüber dem Endkunden bleibt beim Lizenzinhaber, während der Unterverwahrer das operative Risiko sowie die vertragliche und versicherungsseitige Haftung trägt. Die Kundenvermögenswerte werden dabei getrennt von der eigenen Bilanz des Unterverwahrers und von den Beständen anderer Kunden gehalten.

Für Institute unter deutscher Bankenaufsicht wird die Vereinbarung zusätzlich im Rahmen ihrer eigenen MaRisk und nach § 25b KWG bewertet, und die Unterverwahrung fügt sich in diese Governance ein.

Mit einem Unterverwahrer lassen sich Dienstleistungen für digitale Vermögenswerte anbieten, ohne die jahrelange Aufbauzeit, die Sicherheitsinvestitionen, das Fachwissen und die spezialisierten Ressourcen, die der Eigenbetrieb einer Verwahrung erfordert.

Eigene Lösung bauen oder mit einem Partner arbeiten?

In den meisten Fällen ist Unterverwahrung die richtige Wahl. Unter bestimmten Umständen ist es dennoch sinnvoll, eine eigene Lösung zu bauen, nämlich wenn:

  • sich das Volumen auf ein oder zwei dominante Vermögenswerte konzentriert, denn ab einer gewissen Größe ist eigene Infrastruktur kein einmaliges Projekt mehr, sondern ein dauerhafter Kostenvorteil.

  • die Verwahrung selbst das eigentliche Produkt ist und keine unterstützende Funktion hinter einem anderen Kerngeschäft.

  • eine spezifische regulatorische Vorgabe, Souveränitäts- oder Datenstandortanforderung die volle operative Kontrolle verlangt und nicht nur die rechtliche Verantwortung.

Unterverwahrung passt, wenn die Markteinführung wichtiger ist als das Eigentum an der Infrastruktur. Wer etwa ein neues Produkt schnell einführen und testen will, ist mit einem mehrmonatigen Aufbau nicht immer gut beraten.

Auch für die lange Liste selten nachgefragter Vermögenswerte eignet sich das Modell: Jeden Vermögenswert zu unterstützen, den ein Kunde irgendwann wünschen könnte, rechtfertigt keinen eigenen Aufbau, wenn die Nutzung gering bleibt. Ein gängiger Mittelweg ist daher, diese Randbestände auszulagern und den Kern im eigenen Haus zu betreiben.

Dasselbe gilt für neue oder exotische Chains, die jeweils eine eigene Integration, Sicherheitsprüfung und Einarbeitung im Betrieb erfordern, und für Anwendungsfälle mit geringem Volumen oder ungewisser Tragfähigkeit, bei denen fixe Infrastrukturkosten nicht an eine unsichere Nachfrage gekoppelt sein sollten.

Was für Unterverwahrung statt eigener Infrastruktur spricht

Jedes Institut gewichtet diese Entscheidung anders, doch Unterverwahrung punktet bei den Kriterien, die am meisten zählen: Kosten, Risiko, Skalierbarkeit und Markteinführungszeit.

1) Kostenoptimierung

Die offensichtlichen Infrastrukturkosten decken selten alles ab, was darüber hinaus nötig ist. Mit Unterverwahrung entfallen Aufbau und Finanzierung von:

  • Sicherheitsinfrastruktur (HSMs, MPC-Systeme, Hardware für das Schlüsselmanagement)

  • Compliance- und Lizenzaufwand für die Verwahrfunktion selbst (AML/KYC, laufende Prüfungen)

  • Transaktionsüberwachung und Lösungen für die Travel Rule

  • Personal für den Betrieb rund um die Uhr

  • Integrationsentwicklung für jeden einzelnen Vermögenswert: Aus Fixkosten werden Kosten, die mit der Nutzung mitwachsen

  • Eine spezielle Verwahrversicherung gegen Diebstahl, Betrug und Hackerangriffe

Hohe Anfangsinvestition oder geringere Einstiegskosten

Sicherheitsinfrastruktur, Lizenzierung, Personal und Versicherung kosten ungefähr gleich viel, ob das erste Jahr zehn Kunden bringt oder zehntausend. Bevor auch nur ein einziger Kundenvermögenswert verwahrt werden kann, erreicht diese Kapitalbindung typischerweise einen sieben- bis achtstelligen Betrag. Unterverwahrung wandelt denselben Leistungsumfang in eine nutzungsabhängige Gebühr um: Bezahlt wird die Verwahrung dann, wenn sie tatsächlich anfällt.

2) Risikominimierung

Die Verwahrung birgt mehrere operative Risiken, die auch bei einwandfreier Regulierung eintreten können. Für einen Unterverwahrer ist es das Kerngeschäft, diese Risiken zu verhindern und zu versichern, was das Sicherheitsniveau seiner Infrastruktur hebt.

  • Schlüsselverlust oder fehlerhafte Schlüsselverwaltung: vertraglich der Partei zugeordnet, die die Signaturinfrastruktur betreibt

  • Insider-Risiko: Die Funktionstrennung ist in den Abläufen des Unterverwahrers verankert

  • Hacking und Diebstahl: vertraglich abgedeckt und in der Regel zusätzlich durch die Versicherung des Partners

  • Operative Ausführungsfehler: Unumkehrbare On-Chain-Fehler sind ein ausdrücklich benannter Fehlerfall und keine offene Frage

  • Die regulatorische Verantwortung bleibt beim Lizenzinhaber, doch für jedes operative Risiko gibt es eine klar benannte, verantwortliche Partei

Risiko- und Versicherungsschutz

Die Verwahrung digitaler Vermögenswerte bei Tangany ist durch einen Versicherungsschutz der Munich Re abgesichert, der als erster seiner Art auf dem deutschen Markt beschrieben wird. Weitere Versicherungen ergänzen diesen Schutz, unter anderem bei Fehlern im Schlüsselmanagement.

3) Mehr Skalierbarkeit

Jede Wachstumsphase, ob mehr Kunden, neue Märkte oder neue Vermögenswerte, stößt meist an die Grenzen dessen, was für die vorherige Phase gebaut wurde. Unterverwahrung dagegen fängt dieses Wachstum auf.

  • Mehr Kunden und Konten verändern Volumen und Gebühren, nicht die Infrastruktur

  • Neue Anlageklassen erfordern keine neue interne Sicherheitsprüfung und keine zusätzliche Entwicklungsarbeit

  • Die Expansion in andere Länder kommt ohne separaten Aufbau aus

  • Nachfragespitzen fangen Systeme auf, die für institutionelle Größenordnungen ausgelegt sind

  • Neue Produktlinien (Staking, Tokenisierung) lassen sich auf der bestehenden Infrastruktur starten

Skalierbarkeit über Anlageklassen hinweg

Tangany unterstützt mehr als 450 Kryptowährungen sowie tokenisierte Vermögenswerte und EUR- und USD-Stablecoins und deckt damit den Großteil der Top 100 nach Marktkapitalisierung ab, auf gängigen ebenso wie auf exotischen Chains (FET, CSPR, KAS, SEI, SUI, TAO, VET). Sobald die Machbarkeit für einen Vermögenswert bestätigt ist, wird er in der Regel innerhalb von etwa fünf Arbeitstagen freigeschaltet.

4) Schnellere Markteinführung

Bis eine Verwahrinfrastruktur den ersten Kundenvermögenswert halten kann, vergeht viel Zeit, und genau diese Vorlaufzeit verschwindet mit Unterverwahrung aus der eigenen Roadmap.

  • Die Design- und Aufbauphase für HSM- und MPC-Infrastruktur entfällt vollständig

  • Kein wiederholter Zyklus aus Audits und Penetrationstests vor dem Start

  • Die technischen Grundlagen für die Auslagerungsanforderungen von MiCA sind bereits geschaffen

  • Statt langer Integrationszeit pro Chain ist ein neuer Vermögenswert nur einen API-Aufruf entfernt

  • Weniger Aufwand für die Suche nach spezialisierten Sicherheitsfachkräften für die Verwahrung

Kürzere Markteinführungszeit

In 80 Projekten hat Tangany Kunden innerhalb von 3 bis 5 Monaten an den Start gebracht, während der Aufbau einer eigenen Verwahrinfrastruktur von Grund auf typischerweise 9 bis 12 Monate dauert. Bei einem Wechsel von einem bisherigen Verwahrer gelang der Start in weniger als einem Monat.

Zusammengenommen ergeben diese Vorteile ein klares Bild: Unterverwahrung ist ein von MiCA ermöglichter Ansatz, die Verwahrung digitaler Vermögenswerte anzubieten. Die richtige Wahl hängt zwar weiterhin von Volumen, Vermögenswerten und langfristigen Zielen ab, doch wo Zeit, Ressourcen oder Fachwissen der Engpass sind, bietet Unterverwahrung einen schnelleren und risikoärmeren Weg ans Ziel.

Unterverwahrung mit Tangany

Ob erstes Produkt für digitale Vermögenswerte oder Ausbau eines bestehenden Angebots: Wir klären gemeinsam, wie Unterverwahrung im konkreten Fall aussehen kann. Wir haben bereits mit Banken zusammengearbeitet, darunter die Baader Bank, die dwpbank und die flatexDEGIRO Bank, ebenso mit Asset Managern und Unternehmen wie Exporo.

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