Der Euro der Zukunft: Stablecoins, Blockchain und der Wandel des Zahlungsverkehrs

Elise Devaux

Marketing Manager, Tangany

Dieser Blogbeitrag ist eine Zusammenfassung eines Webinars von Tangany im Februar 2026. Die vollständige Aufzeichnung finden Sie am Ende dieses Beitrags.

Wichtigste Erkenntnisse:

  • Der globale Stablecoin-Markt im Wert von 250 Milliarden Euro ist zu 99,9 % auf US-Dollar denominiert, was Europa eine kritische Chance bietet, seine finanzielle Souveränität durch Euro-gebundene Lösungen zu stärken.

  • Das harmonisierte MiCA-Regelwerk der EU schafft den weltweit größten Einzelmarkt für digitale Vermögenswerte und eröffnet Institutionen einen klaren, regulatorisch konformen Weg zur Stablecoin-Nutzung.

  • Euro-Stablecoins ermöglichen sofortige, kostengünstige globale Transaktionen, tokenisierte Vermögenswerte und 24/7-Treasury-Operationen und modernisieren damit das traditionelle Finanzwesen, anstatt es zu ersetzen.

  • Der Erfolg hängt davon ab, dass Banken, Verwahrer und Regulierer zusammenarbeiten, um eine sichere, interoperable Infrastruktur für ein digitales Euro-Ökosystem aufzubauen.

Einleitung: Wie Stablecoins in Europa Fuß fassen 

Martin Kreitmair, CEO von Tangany, und Luis Schaubhut, Chief of Staff bei AllUnity, sprachen in diesem Webinar darüber, wie Stablecoins und der digitale Euro Europas Finanzwelt verändern könnten.

Stablecoins verbinden traditionelles Finanzwesen mit der digitalen Wirtschaft und bieten dabei Geschwindigkeit, Transparenz und globale Zugänglichkeit.

Thema der Diskussion waren der aktuelle Stand der Stablecoin-Akzeptanz in Europa, das Regelwerk unter MiCA (Markets in Crypto-Assets Regulation) und die strategische Bedeutung des digitalen Euro für europäische Souveränität.

Stablecoins in Europa: Markttrends und regulatorischer Fortschritt

Was ursprünglich ein Nischeninstrument für den Kryptohandel war, ist heute ein globaler Markt mit einem Volumen von 250 Milliarden Euro, wobei der Großteil weiterhin auf US-Dollar denominiert ist. Ursprünglich dienten diese digitalen Vermögenswerte dazu, den Kryptohandel zu vereinfachen und Bitcoin als primäres Handelspaar abzulösen. Über 80 % aller Kryptotransaktionen laufen heute gegen Stablecoins wie USDC oder USDT. Das zeigt, wie stark ihre Rolle im Finanzökosystem inzwischen gewachsen ist.

Europa steht jedoch vor einer einzigartigen Herausforderung. Der Euro macht 20–30 % der globalen Reserven und Zahlungen aus, aber weniger als 0,1 % des Stablecoin-Marktes. Dieses Ungleichgewicht zeigt: Europa muss Euro-gebundene Stablecoins annehmen, um seinen finanziellen Einfluss zu wahren. Die MiCA-Verordnung der Europäischen Kommission bietet ein harmonisiertes Regelwerk für Stablecoins und digitale Vermögenswerte und stärkt damit Vertrauen und institutionelle Akzeptanz. AllUnitys Euro-Stablecoin, der vollständig unter MiCA reguliert ist, ist damit ein wichtiger Schritt in diese Richtung.

Der digitale Euro und die Frage der Souveränität

Der digitale Euro und Euro-gebundene Stablecoins sind keine Konkurrenten, sondern sich ergänzende Instrumente. Der digitale Euro ist für die Nutzung innerhalb Europas konzipiert, während Stablecoins die Reichweite des Euro global erweitern. Sie ermöglichen sofortige, kostengünstige grenzüberschreitende Zahlungen, selbst in Regionen wie Afrika oder Lateinamerika, wo traditionelle Euro-Zahlungen oft unerreichbar sind.

Blockchain-Technologie macht Vermittler wie SWIFT überflüssig. Das senkt Kosten und Abwicklungszeiten. Für Europa bedeutet dies eine Chance, die Abhängigkeit von Dollar-dominierten Zahlungssystemen zu reduzieren und die finanzielle Souveränität zu stärken. Wie Luis betonte: Es geht nicht darum, Banken zu ersetzen, sondern die Finanzinfrastruktur zu modernisieren und den Euro so zugänglich und effizient wie digitale Währungen zu machen.

Verwahrung und Infrastruktur: Vertrauen in Stablecoins aufbauen

Damit Institutionen Stablecoins einführen, sind sichere Verwahrlösungen unerlässlich: Regulierte Verwahrer wie Tangany bieten dafür institutionelle Sicherheit auf höchstem Niveau, sorgen für regulatorische Compliance und stellen eine klare Trennung der verwahrten Vermögenswerte sicher (Asset Segregation). Die Integration mit Bankkernsystemen läuft bereits: Tangany hat allein in Europa über 15 solcher Integrationen abgeschlossen.

Technisch ist also vieles bereit; ob sich Stablecoins durchsetzen, hängt vor allem von der Zusammenarbeit zwischen Banken, Verwahrern und Fintech-Innovatoren ab. Wie Martin erklärte, ähnelt die Infrastruktur für Stablecoins, etwa Wallets, APIs und Governance-Prozesse, stark dem traditionellen Bankwesen. Der Übergang dürfte deshalb einfacher ausfallen als oft erwartet.

Ein Stablecoin-Ökosystem rund um den Euro?

Europa hat gute Voraussetzungen, um bei dieser Entwicklung eine führende Rolle einzunehmen. Mit der MiCA-Regulierung, einem Markt von 450 Millionen Menschen und wachsendem institutionellem Interesse könnte der Euro im digitalen Zahlungsverkehr deutlich an Bedeutung gewinnen. Entscheidend wird dabei sein, wie schnell sich die Akzeptanz ausweiten lässt, wie weit sich die Infrastruktur weiterentwickelt und wie gut sich traditionelle und blockchainbasierte Systeme miteinander verbinden lassen. Die kommenden Jahre werden zeigen, wie gut das gelingt.

Der Erfolg hängt von drei zentralen Faktoren ab: 

  1. Wallet-Infrastruktur: Breite Einführung digitaler Wallets bei Banken und Verwahrern.

  2. On-/Off-Ramps: Nahtlose Umwandlung zwischen Fiat-Währung und Stablecoins.

  3. Regulatorische Abstimmung: Harmonisierte Regeln für grenzüberschreitende Transaktionen und Asset-Tokenisierung.

Wie Luis abschließend feststellte: Bei der Zukunft von Stablecoins in Europa geht es nicht darum, bestehende Systeme zu ersetzen, sondern sie zu verbessern: Zahlungen schneller, günstiger und zugänglicher zu machen als je zuvor.

Fragen und Antworten 

Was sind die größten Effizienzgewinne, wenn Euro-Zahlungen auf die Blockchain verlagert werden?

Die unmittelbarsten Vorteile liegen in Geschwindigkeit und Kosten: Traditionelle grenzüberschreitende Zahlungen, vor allem über SWIFT, sind langsam und teuer. Sie können mehrere Tage dauern und hohe Gebühren verursachen. Über die Blockchain lässt sich das rund um die Uhr abwickeln, zu Transaktionskosten von nur rund 0,01 Euro, unabhängig von der Höhe der Summe. Für Unternehmen bedeutet das mehr Liquidität in Echtzeit: Zahlungen lassen sich jederzeit senden oder empfangen, auch an Wochenenden oder Feiertagen, ohne Verzögerung. 

Warum vertrauen Institutionen auf Stablecoin-Setups langfristig? 

Vertrauen entsteht durch Regulierung und Sicherheit. MiCA bietet ein klares, EU-weites Regelwerk, das sicherstellt, dass Stablecoin-Emittenten und Verwahrer strenge Standards einhalten. Institutionen verlassen sich auch auf regulierte Verwahrer wie Tangany, die institutionelle Sicherheit und Prüfbarkeit bieten und nationale sowie EU-weite Vorschriften einhalten. Wie Martin erläuterte: Regulierung wirkt wie eine „Blaupause" dafür, wie Stablecoins funktionieren sollten. Das gibt Banken und Unternehmen das Vertrauen, sie einzuführen.

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