White-Label-Verwahrung unter MiCA
Elise Devaux
Marketing Manager, TanganyMit dem Ende der MiCA-Übergangsfrist im Juli 2026 hat sich der Markt stark konsolidiert. Von tausenden registrierten VASPs blieb nur eine Handvoll im gesamten EWR zugelassener Anbieter übrig. Institute, die digitale Vermögenswerte anbieten wollten, standen damit vor einer Wahl: eine mehrjährige Zulassung als Krypto-Dienstleister (CASP) anstreben, oder sich unter einem White-Label-Modell mit einem regulierten Verwahrer zusammenschließen.
Der zweite Weg ist für viele Institute zur praktikablen Wahl geworden.
Nexo hat in diesem Monat den MiCA-konformen Betrieb im gesamten EWR über dieses Modell bestätigt. Als lizenzierte Partner nennt Nexo dabei Tangany für die Verwahrung und DLT Finance für das Brokerage. Doch wie funktioniert dieses Modell in der Praxis? Lesen Sie weiter, oder laden Sie unseren Guide herunter, um mehr zu erfahren.
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Was ist White-Label Verwahrung?
White-Label-Verwahrung ist ein Modell, bei dem ein lizenzierter Verwahrer die regulierte Dienstleistung erbringt und ein Partner sie Endkunden unter der eigenen Marke bereitstellt. Das Modell teilt die Verantwortung zwischen zwei Parteien auf.
Der Verwahrer hält die privaten Schlüssel, führt die Abwicklung durch und trägt die regulatorische Verantwortung dafür. Der Partner besitzt die Marke, die Kundenbeziehung und die Produktstrategie. Aus Kundensicht bleibt alles beim Gewohnten: Sie sehen und nutzen weiterhin die Marke, die sie kennen.
Das entspricht der Funktionsweise der traditionellen Finanzwelt seit Jahrzehnten. Eine Verwahrbank hält Vermögenswerte im Auftrag eines Fondsadministrators, während dieser gegenüber dem Kunden auftritt.
MiCAs Artikel 59 behält die Erbringung von Dienstleistungen rund um digitale Vermögenswerte zugelassenen CASPs und bestimmten regulierten Finanzinstituten vor. Anstatt eines Modells mit vertraglich gebundenen Vermittlern schafft MiCA damit Raum für kommerzielle White-Label-Vereinbarungen, sofern der regulatorische Rahmen eingehalten wird und die regulierte Dienstleistung eindeutig vom lizenzierten CASP erbracht wird.
Wo liegt die Verantwortung?
Der lizenzierte CASP besitzt das regulierte Verwahrprodukt und haftet regulatorisch für dessen Betrieb. Der Partner besitzt die Marke und die Kundenbeziehung und bleibt für seine eigenen Pflichten verantwortlich.
Diese Aufteilung ist die rechtliche Grundlage des Modells. Wie die Partner von
Deloitte Legal anmerken, erfordert die Strukturierung eines White-Label-Modells „eine gründliche rechtliche Analyse, in der insbesondere zivilrechtliche und aufsichtsrechtliche Fragen zwischen den kooperierenden Parteien abzustimmen sind."
In der Praxis bedeutet das: Die kundenseitige Kommunikation muss den lizenzierten CASP eindeutig als regulierten Dienstleister ausweisen, und der operative Aufbau muss einer aufsichtsrechtlichen Prüfung jederzeit standhalten.
Die technische Grundlage
Ein mehrstufiges Kontrollsystem setzt die regulatorische Grenze durch. Der Verwahrer behält die privaten Schlüssel. Der Partner hält, nutzt oder kontrolliert sie zu keinem Zeitpunkt und kann Transaktionen anfragen, aber nicht ausführen.
Mehrere technische Bausteine sorgen dafür: Private Schlüssel liegen in einem HSM, das der Verwahrer kontrolliert. Der Partner erhält einen kontrollierten API-Zugang, über den er Transaktionen anfragen, aber nie selbst ausführen kann. Jeder Signaturvorgang wird protokolliert, und die Infrastruktur von Partner und Verwahrer ist vollständig getrennt.
Das steht im Einklang mit Artikel 75 der MiCA, der Verwahr- und Verwaltungsdienstleistungen lizenzierten CASPs vorbehält. Das Modell der Funktionstrennung hat sich im gesamten EWR bewährt, und die Mehrheit der institutionellen Kunden setzt es ein. Auch Nexo und flatexDEGIRO setzen auf dieses Modell und arbeiten dabei mit Tangany als lizenziertem Verwahrpartner zusammen.
Wann ist White-Label sinnvoll?
Drei Fragen sollten frühzeitig geklärt werden.
Lohnt sich eine eigene Lizenz? Das White-Label-Modell eignet sich am besten für Broker, Banken, die den Einstieg in digitale Vermögenswerte erproben, und Fintechs, die ihr Angebot entsprechend erweitern. Wer als Unternehmen selbst über die Größe, den Anspruch und die Zeit verfügt, ein lizenzierter CASP zu werden, für den ist der Aufbau im eigenen Haus ein möglicher Weg.
Welcher lizenzierte CASP ist der richtige Partner? Achten Sie auf einen vollständigen Compliance-Stack (AML, CFT, KYC, KYB, KYT, PEP, Sanktions-Screening), eine anerkannte Travel-Rule-Lösung, DORA-Konformität und eine nachgewiesene Erfolgsbilanz über mehrere europäische Jurisdiktionen hinweg.
Sind die Verantwortlichkeiten klar zugewiesen? KYC, AML, Transaktionsüberwachung, regulatorisches Reporting und Verwahrung müssen jeweils klar zugeordnet und dokumentiert sein, und zwar so, dass sie einer aufsichtsrechtlichen Prüfung standhalten.
Fazit
MiCA hat die Anforderungen für Dienstleistungen rund um digitale Vermögenswerte in Europa erhöht. Für viele Institute kann White-Label-Verwahrung ein schnellerer Weg zum Markteintritt sein. Sie verkürzt die Zeitspanne von 18 bis 36 Monaten auf 3 bis 9 Monate*.
Dies ist ein gekürzter Überblick aus unserem Guide zur White-Label-Verwahrung. Für das vollständige Framework, einschließlich der technischen Architektur, der kompletten Bewertungs-Checkliste und eines direkten Vergleichs von White-Label und eigener MiCA-Zulassung:
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* Die Angaben zur Zeitspanne sind illustrativ und basieren auf Beobachtungen aus Tangany-Kundenprojekten. Die tatsächliche Dauer variiert je nach Institut, Lizenzstatus und technischem Umfang.
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